Riskieren

Eine kleine Frühlingsgeschichte

 

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Zwei Samen lagen Seite an Seite in der fruchtbaren Frühlingserde. Der erste Samen sagte: "Ich will wachsen!" Ich will meine Wurzeln tief in die Erde unter mir aussenden und meine Sprossen durch die Erdkruste über mir stoßen. Ich will meine zarten Knospen entfalten wie Banner, um die Ankunft des Frühlings zu verkünden. Ich will die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht und den Segen des Morgentaus auf meinen Blütenblättern spüren!" Und so wuchs er.

 

Der zweite Samen sagte: "Ich habe Angst. Wenn ich meine Wurzeln in den Boden unter mir sende, weiß ich nicht, was mir im Dunkeln begegnet. Wenn ich mir meinen Weg durch die harte Erde über mir bahne, könnte ich meine empfindlichen Sprossen verletzen. Was ist, wenn sich meine Knospen nicht öffnen lassen? Und eine Schnecke versucht sie zu fressen? Und wenn ich meine Blüten öffne, könnte ein kleines Kind mich aus dem Boden reißen. Nein, es ist viel besser für mich, zu warten, bis es sicher ist." Und so wartete er.

 

Eine Hofhenne, die im Boden des ersten Frühlings nach Futter umher scharrte, fand den wartenden Samen und fraß ihn prompt. (aus: "Hühnersuppe für die Seele", Jack Canfield/ Mark Victor Hansen)

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Kommentare: 4
  • #1

    Virginia Winter (Sonntag, 09 März 2014 11:32)

    auch aus dem Samen den das Huhn gefressen hat kann noch was wachsen... wir haben letztes Jahr die Klärgrube ausgeschachtet... im Spätsommer haben wir ganz viele kleine Tomatenpflanzen auf dem "Abraum" von der Klärgrube gefunden... manchmal gibt es eine zweite Chance... auch für ängstliche Samenkörner... :-)

  • #2

    Marion Lampert-Gruber (Sonntag, 09 März 2014 17:04)

    Das gefällt mir! Im Original endet die Geschichte mit einer Moral, die ich aber bewusst weggelassen habe: "Jene von uns, die sich weigern, etwas zu riskieren oder zu wachsen, werden vom Leben verschlungen." Da ist es doch gut zu wissen, dass im Leben nichts und niemand wirklich verloren geht - Danke für das lebendige Beispiel!

  • #3

    Virginia Winter (Sonntag, 09 März 2014 22:28)

    ich denke... nein, ich weiss... das man auch wenn man etwas riskiert vom Leben "verschlungen" werden kann und den Rest seines Lebens mit dem Kampf verbringt , wieder "ausgespuckt" zu werden... und dann in diesem Kampf nicht verloren zu gehen... und daran noch zu wachsen... aber das ist eine andere Geschichte...

  • #4

    Ruth Schilling (Montag, 10 März 2014 01:14)

    Gut, dass du den letzten Satz weggelassen hast, denn je nachdem können beide 'Strategien' erfolgreich erscheinen. Manchmal wird auch geduldig abwarten auf die 'richtigen', sicheren Bedingungen belohnt, manchmal das mutig ins Risiko gehen. Entscheidend finde ich, dass ich dranbleibe, gleich-gültig, ob ich mich gerade in der Situation des Glücklich-Wachsenden oder des 'Verschlungenen' erlebe. Mein Motto ist: am Ende kann sich sowieso keiner um seine 'Aufgabe' drücken, es ist einfach schöner, wenn du sie mit Freude und Spaß angehst anstatt voller Angst und innerem Widerstand. Und Virginia kann ich gut verstehen, auch ich kenne Situationen, wo Risiko nicht in dem Sinne belohnt wurde, dass sofort alles schön und angenehm war, da hieß es auch bei mir erstmal weiterwachsen, auch wenn mich - gefühlt - der Blitz gespalten hatte... ich sehe mich mehr als Baum, die fangen auch als kleines Samenkorn an ;-)

Marion Lampert-Gruber

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