Fundstück

 

Der Gorilla an der Krippe

 

Unsere Krippe hat mein Mann in unsere Ehe gebracht, völlig nichtsahnend von den daraus entstehenden Komplikationen. Die Krippe stammt aus seiner norddeutschen Heimat und sieht eigentlich nicht nach Bethlehem aus, sondern, nunja, nach Brunsbüttel-Schmedeswurth. Sie ist von dichtem Wald umgeben, und öfter schauen dessen Bewohner, Reh, Hirsch, Hase und Eichhörnchen im Stall vorbei. Wir haben uns angewöhnt, dass die Krippe am ersten Advent feierlich hervorgekramt wird, und nach und nach treffen die Bewohner ein, als erstes der Ochse als mutmaßlicher Dauerbewohner. So dachte ich mir das. Doch immer öfter kam es vor, dass, wenn ich der Krippe den Rücken zukehrte, seltsame Gestalten sich dort niederließen. Der Elefant ging ja irgendwie noch, aber der Pinguin, der Gorilla, das Stinktier und das Walross, das es sich in der noch leeren Krippe gemütlich machte, das fand ich doch eher unpassend. Doch sooft ich auch einen Platzverweis erteilte und das Getier in die Wildnis zurückschickte, sie tauchten sofort wieder auf, wenn ich der Krippe den Rücken kehrte. Bald herrschte im Stall eine Artenvielfalt und bedrängende Enge, wie auf der Arche Noah. Es tauchten noch andere Dinge auf, die meiner Ansicht nach nichts im Stall von Bethlehem zu suchen hatten. Das Dach vom Stall wurde mit Schnullern dekoriert; das Innere mit Windeln ausgelegt, und neben den Bäumen wuchsen Milchflaschen empor, um die sich die endlich eingetroffenen Heiligen Drei Könige ängstlich herummogeln mussten. Die Schafe bekamen ein Gatter aus Legosteinen. Nur der Stern schwebte unbedrängt über der seltsamen Scenerie - an ihn kam meine Tochter nicht ran.

 

So geht das nicht weiter. Ich stelle meine Tochter zur Rede. Zwei große runde Augen gucken mich vorwurfsvoll an, und meine Tochter sagt: "Mama, du hast selbst gesagt, an die Krippe dürfen alle kommen. Also auch Pinguine, Gorillas und Stinktiere." Ich stottere noch ein mattes "Von einem Gorilla war aber nie die Rede" heraus, aber ich weiß: Ich habe verloren. Unsere Gäste schauen jetzt manchmal etwas indigniert auf unsere seltsame Weihnachtskrippe - aber na ja, was soll man schon sagen, wenn sie in einem Pfarrhaus steht, wird es schon seine Richtigkeit haben. Hat es auch. Endlich ist Frieden.

 

von Pfarrerin Monika Lehman - Etzelmüller

 


Marion Lampert-Gruber

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